Passat
Die seit 1960 im Priwall-Hafen von Travemünde liegende Viermast-Stahlbark “Passat” lief 1911 als eines der als “Flying P-Liner” berühmte gewordenen Schiffe in Hamburg bei Blohm & Voss vom Stapel.
Von der Reederei F. Laeisz für knapp 700.000 Goldmark in Auftrag gegeben, wurde der Frachtsegler bis 1932 (mit Unterbrechungen – nach dem ersten Weltkrieg folgten 1914 einige Jahre in Chile und schliesslich als Kriegsentschädigung in Frankreich, bis Laeisz das Schiff Ende 1921 zurück kaufte) auf der Route nach Südamerika eingesetzt.
Die Passat, damals dank ihrer Reisegeschwindigkeit rentabler als alle Dampfschiffe. Ihre Robustheit stellte sie Mitte 1928 unter Beweis, als sie mit einem französischen Dampfschiff kolidierte. Die “Daphne” sank, während die Passat in Rotterdam repariert wurde und schon wenige Tage später die Reise fortsetzen konnte.
Eine erneute Kollision mit einem britischen Dampfschiff ein Jahr später überstand die Passat – wenn auch mit schwereren Schäden – ebenfalls.
1932 schliesslich, als der aus Chile herangeschaffte Salpeter durch hier mittlerweile billiger hergestellt werden konnte und die Fahrten mit der Passat sich nicht mehr lohnten, wurde das Schiff an einen finnischen Reeder verkauft, der sie bis 1939 auf sieben Fahrten nach Australien einsetzte, wobei sie drei Mal die inoffizielle “Weizenregatta” gewinnen konnte.
Fast den gesamten Zweiten Weltkrieg über lag das Schiff im Heimathafen vor Anker, bis es 1944 nach Stockholm gebracht wurde und sein Dasein als Getreidespeicher fristete. Um 1950 herum wurde die Passat zusammen mit ihrem Schwesterschiff “Pamir” an die britische Regierung verchartet wurde und abermals als Lagerraum genutzt wurde.
1951 gelangten die beiden Stahlbarken an Abwracker aus Belgien, konnten aber durch die Initiative ihres ehemaligen Kapitäns und eines Lübecker Reeders gerettet und nach Kiel überführt werden, wo der Umbau zu sogenannten “frachttragenden Segelschulschiffen” erfolgte.
Seit Anfang 1952 als Schulschiffe für Beruffsschüler genutzt , kam es schnell zu finanziellen Engpässen, und bereits Anfang 1953 folgte der Konkurs der Lübecker Reederei. Die Passat ging Ende 1954 in den Besitz der “Stiftung Pamir und Passat” über, um weiterhin zwischen Europa und Südamerika eingesetzt zu werden.
1957, kurz nach dem Untergang der Pamir, überstand auch die Passat auf der Rückkehr von Argentinien nur mit Glück einen schweren Orkan südwestlich der Biscaya. Das Schiff gelangte nach einem Zwischenstopp in Lissabon nach Hamburg, wo sie ausgemustert wurde.
Die Hansestadt Lübeck verhinderte durch den Kauf für 315.000 Deutsche Mark das Abwracken der “Passat” und ist noch heute ihr Eigentümer. Seit 1960 liegt sie am Priwallhafen in Travemünde, wo sie zuerst als Teil der Seemannsschule Schleswig-Holsteins und schliesslich als Museum und als Jugendherberge genutzt wurde.
Seit 1978 unter Denkmalschutz stehend, ist das Schiff immer noch schwimmfähig, jedoch nicht mehr fahrtüchtig: Der oftmals geflickte Stahlrumpf würde der Gewalt der Wellen auf offener See wahrscheinlich nicht mehr standhalten.
Von den “Acht Schwestern” – wie man die letzten acht Viermastbarken Laeisz’ aufgrund ihrer Ähnlichkeit in Größe und Konstruktion nannte – sind heute neben der Passat nur noch die Padua (heute “Kruzenstern”) und Peking (in New York) erhalten.
Nur die Kruzenstern wird noch gefahren – als russisches Segelschulschiff.
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