Mahnmal St. Nikolai
Obwohl es “nur” eine ehemalige Hauptkirche ist, die längst einen regulären Nachfolger im Stadtteil Harvestehude hat, meint doch jeder Hamburger das Mahnmal an der Ost-West-Straße, wenn er von “St. Nikolai” spricht.
Der von der alten Kirche übrige Turm ist mit 147,3 Metern nach dem Ulmer Münster (161,53m) und dem Kölner Dom (157,38m) der dritthöchste Kirchturm Deutschlands und der fünfthöchste der Welt (die Basilika Notre-Dame la Paix (158m) und die Kathedrale von Rouen (151m) vervollständigen das Quintett).
Die Wurzeln des im Zweiten Weltkrieg zum zweiten Mal schwer beschädigten Bauwerks reichen zurück bis ins Zwölfte Jahrhundert, als am Alsterufer mit der Anlage des Alsterhafens auch die Nikolaisiedlung gegründet wurde und man auf dem Gelände des heutigen Hopfenmarktes eine dem heiligen Nikolaus (Schutzpatron der Schiffahrt) gewidmete Kapelle errichete.
Das zunächst als Holzbauwerk errichtete Gebäude war neben dem Hamburger Dom die zweite Kirche in der entstehenden Stadt Hamburg.
Erst 1353, nachdem die Pest in Hamburg gewütet hatte, wurde ein gemauerter Neubau in Angriff genommen. Dieser wurde – typisch norddeutsch – als dreischiffige Hallenkirche im Stile der Backsteingotik (genau wie die im selben Zeitalter entstandene Petrikirche) errichtet.
Dieser Bau bestand – natürlich unter anhaltenden Änderungen und Erweiterungen – bis Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts, musste dabei aber auch viele Zerstörungen über sich ergehen lassen. So brannte beispielsweise der erst 1517 errichtete Turm – damals noch 153 Meter hoch – schon 72 Jahre danach ab. Der neuerrichtete Nachfolger musste sich 1644 einem Sturm beugen.
Der letzte Turm der alten Nikolaikirche wurde 1657 nach Plänen des Architekten Peter Marquardt gebaut. Das als “Marquardt-Turm” bekannte 122 Meter hohe neue Wahrzeichen der Stadt Hamburg mit seinen charakteristischen Kuppeln wurde im August 1767 von einem Blitz getroffen und in dessen Folge fast zerstört.
Als erstes großes öffentliches Gebäude fiel die alte Nikolaikirche im Mai 1842 dem Großen Brand zum Opfer. Das von den Geschichtsschreibern als besonders einschneidendes Ereignis beschriebene Unglück erschütterte die Hamburger schwer und stand symbolisch für die schweren Verwüstungen, die der Stadt zu diesem Zeitpunkt durch den Großen Brand noch bevorstehen sollten.
Nach dem Ende des Großfeuers fällte man schnell die Entscheidung, die Nikolaikirche neu aufzubauen. 1843 nahm man eine Spendenaktion auf, 1844 folgte ein Wettbewerb unter Architekten, den schließlich der Altonaer Gottfried Semper gewinnen konnte. Sein Entwurf eines romanischen Kuppelbaus sollte jedoch nicht umgesetzt werden, weil ein solches Bauwerk sich nur schwer in das Stadtbild Hamburgs eingefügt hätte. Ausschlaggebend dürfte auch die 1842 wieder aufgenommene Arbeit am Kölner Dom gewesen sein, dessen gotischer Baustil zu neuer Beliebtheit kam.
Der in Großbritannien mehrfach bei der Restaurierung mittelalterlicher Kirchen erfolgreiche George Gilbert Scott wurde schliesslich um einen Entwurf gebeten. Seine Planungen – ein 86 Meter langes, dreischiffiges Langhaus mit bis zu 28 Metern Gewölbehöhe sowie einem einschiffigen Querhaus – wurden etwas südlich vom ursprünglichen Standort der alten Kirche St. Nikolai umgesetzt.
Auf ungefähr dem Platz, wo früher einmal die “Neue Burg” gestanden haben soll, begannen 1846 die circa siebzehn Jahre anhaltenden Bauarbeiten des eigentlichen Gebäudes, das am 27. September 1863 eingweiht werden konnte.
Der Bau des Turms dauerte bis 1874, und mit 147,3 Metern war die Nikolaikirche bis 1877 (Bauende der Kathedrale von Rouen) das höchste Bauwerk der Welt.
Noch heute ist der Nikolai-Turm nach dem Heinrich-Hertz-Turm das höchste Bauwerk der Freien- und Hansestadt Hamburg.
Was die Hanseaten so stolz machte, sollte im Zweiten Weltkrieg das Verderben für das Bauwerk bedeuten: Als seinerzeit höchstes Gebäude der Stadt diente der Kirchturm den Piloten der alliierten Streitkräfte als Orientierungspunkt, was am 28. Juli 1943 zu schweren Beschädigungen bei einem Bombenangriff führte: Einsturz des Daches und dadurch schwere Schäden im Innenraum sowie Risse in den Wänden waren die Folgen.
Obwohl die tragenden Strukturen der Kirche im Großen und Ganzen unversehrt waren, entschloss man sich in der Nachkriegszeit gegen einen Neuaufbau und für den Abriss, größtenteils aus finanziellen Beweggründen, aber auch weil die Nikolaikirche – anders als die ebenfalls schwer beschädigte Michaliskirche – nicht (mehr) als Wahrzeichen der Stadt galt.
So begannen 1951 die Abrissarbeiten am Kirchenschiff, dessen Trümmer an der Unterelbe zur Uferbefestigung verwendet wurden.
Nur der Turm und einige Reste des Mauerwerks blieben vom Abriss verschont und wurden zum Mahnmal gegen den Krieg umgewidmet. Erst 1987 wurde ein Förderkreis zur Rettung des mittlerweile arg verfallenen Mahnmals gegründet.
Als eines der vielen Ergebnisse der Bemühungen des Förderkreises ist es seit September 2005 möglich, mittels eines Panorama-Aufzuges auf eine 75 Meter hohe Aussichtsplattform zu fahren, um von dort einen herrlichen Blick über Innenstadt und Speicherstadt zu geniessen.
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