Die Spieler

So viele Spieler auf dem Feld – was machen die denn eigentlich alle?

Also zuerst einmal: Beim American Football stehen – die kanadische Profiliga und Hallen-Varianten einmal ausgenommen – gleichviel Spieler wie beim hierzulande traditionellen Fußball auf dem Feld, nämlich elf pro Mannschaft. Nur die Tatsache, dass diese Spieler zu Beginn eines jeden Spielzuges auf einem relativ kleinen Raum konzentriert sind, läßt es “nach mehr” aussehen.

Generell steht während eines Football-Matches in normalen Situation die Offense – quasi der “Angriff” – der einen Mannschaft der Defense – quasi der “Verteidigung” – der anderen Mannschaft gegenüber.
Ich habe Angriff und Verteidigung bewußt in Anführungszeichen gesetzt, da die Begrifflichkeit zu leicht mit dem Fußball verwechselt werden kann. Grundsätzlich ist es zwar durchaus so, dass die Offense angreift – also Raum erobern soll -, während die Defense verteidigt – und zwar die eigene Endzone – , aber trotzdem übernehmen Teile der Offense durchaus verteidigende Aufgaben während einige Defense-Spieler durchaus Angriffe durchführen.

Außerdem gibt es noch die sogenannten Special Teams – Spezialeinheiten, die nur in und für ganz bestimmte Spielsituationen auf das Feld kommen, wie Field Goal- oder Zusatzpunktversuche, Kickoffs oder Punts.

Verwirrt? Okay, dann versuchen wir nun, Licht ins Dunkel zu bringen.

offense Aufgabe der Offense ist es, Raumgewinn zu erzielen und letztendlich mit dem Ball in die Endzone des Gegners einzudringen.

Die Offense besteht aus verschiedenen Typen von Spielern, die zum Erreichen des gemeinsamen Ziels bestimmte Aufgaben wahrnehmen.

Die Offensive Line könnte man – obwohl ihre Mitglieder nie im Rampenlicht stehen – als wichtigsten Teil der Offense betrachten. Sie besteht aus den schwersten Spielern der Offense, und je nach Auswahl des Spielzugs schützt sie den Quarterback um so das Paßspiel erst zu ermöglichen, oder sie öffnet die Wege für die Running Backs, um ihnen die ersten Meter durch die dicht stehende Verteidigung zu erleichtern.
Beim Laufspiel müssen einige Spieler der O-Line sogar als Schutzschild vor dem Running Back bleiben, damit er möglichst viel Raumgewinn erzielen kann.
Die Offensive Line gliedert sich in – von innen nach außen – einen Center, zwei Guards und zwei Tackles.

Der Center ist nicht nur der einzige Spieler der Offensive Line, der den Ball berühren darf, sondern auch der einzige Spieler des gesamten Teams, der den Ball bei jedem Spielzug berührt. Er ist nämlich dafür zuständig, den Ball ins Spiel zu bringen.
Das geschieht durch den sogenannten Snap, bei dem der Center den Ball durch die Beine nach hinten weitergibt – meistens an den Quarterback, in Special Team-Situationen aber auch an Holder oder Punter.

Doch damit nicht genug: Da der Center in den meisten Angriffsformationen direkt vor dem Quarterback steht, ist er unmittelbar für dessen Schutz verantwortlich. Der Center muß also nicht nur stark sein und gutes Fingerspitzengefühl haben, sondern er muß auch schnell sein und höchst konzentriert seine Aufgaben bewältigen.

Die Guards stehen unmittelbar links und rechts vom Center. Ihre Aufgaben ähneln denen der Tackles – aber die Guards müssen schneller sein. Oft ist es ihre Aufgabe, eine “Schneise” in die Mitte der Verteidigung zu brechen, durch die der Running Back brechen kann.
Bei Paßspielzügen müssen die Guards dem Quarterback die nötige Zeit verschaffen, um den Ball an den richtigen Mann zu bringen – und zwar, indem sie ihrem Spielmacher die Defense vom Hals halten.

Guards werden auch oft bei Täuschungsmanövern eingesetzt, in denen sie beispielsweise durch bestimmte Bewegungen die Verteidiger hinter sich her- und vom Ballträger weglocken.

Die Tackles stehen auf den Außenseiten der Guards und bilden damit jeweils das Ende der sogenannten Interior Line. Sie sind meist die größten und schwersten Spieler der Mannschaft.
Sie bekommen zwar niemals Ballkontakt, dafür aber oft genug Kontakt mit dem Gegner: Sie sind die “Bullen” der Offense und blocken für den Ballträger den Weg frei und schützen den Quarterback bei Paßspielzügen. Dabei sind ihre Gegenspieler meistens die Defensive Ends oder die Outside Linebacker.

Eine besondere Bedeutung kommt dabei oft dem Left Tackle zu, der also links vom Center steht: Die meisten Quarterbacks sind Rechtshänder und sehen somit beim Wurf nicht, was auf der linken Spielfeldseite – also hinter ihnen – passiert. Somit ist der Left Tackle direkt für das Wohl seines Spielmachers verantwortlich.

Der Tight End ist sozusagen eine Kombination aus Receiver und Offensive Line-Spieler, und so sind seine Aufgaben auch sehr vielfältig: Oft wird er als zusätzlicher Blocker in der Offensive Line eingesetzt. Da der Tight End aber den Ball berühren darf, wird er auch oft für kurze Paßrouten eingesetzt.
Je nach ihrem Haupteinsatzgebiet unterscheidet man bullige, kräftige Tight Ends, die eher als Blocker dienen und leichtere, schnelle TE’s, die im Paßspiel eingesetzt werden.

Ein wahrer “Schatz” für jeden Coach ist natürlich eine Kombination aus Beidem, also ein fangsicherer aber kräftiger Spieler sozusagen, von dem man erwarten darf, dass er nach dem Catch noch einige Tackles brechen kann.

Eben weil der Tight End auch den Ball berühren darf und somit ein zusätzlicher Receiver ist, wird die Spielfeldseite auf der er steht als Strong Side bezeichnet.

Viele Teams setzen dicht an der gegnerischen Endzone gerne zwei Tight Ends ein, um auf diese Weise besseren Schutz für den Quarterback zu bekommen, ohne dabei auf mögliche Paßempfänger zu verzichten.

Der Quarterback ist quasi der Regisseur des Angriffs. Seine Hauptaufgabe ist das “Verteilen” der Bälle. Dazu hat er nach dem Snap grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  1. er übergibt den Ball an einen Running Back, der ihn dann nach vorne zu tragen versucht (Laufspiel)
  2. er wirft den Ball zu einem Receiver (Paßspiel)
  3. er läuft selber mit dem Ball

Beim Werfen des Balles zieht der Quarterback sich meistens hinter den Schutz seiner Offensive Line zurück, um “in Ruhe” einen fangbereiten Receiver auszumachen. Dazu lässt er sich entweder ein wenig zurückfallen (“Dropback”) oder bewegt sich hinter der Line auf die Seitenlinie zu (“Rollout”). Beide Varianten sollen dem Quarterback ein wenig mehr Zeit und vor allem Übersicht verschaffen.

Wenn der Quarterback von Variante 3 – also dem “Selberlaufen” – Gebrauch macht, so ist dies nur in den seltensten Fällen auch so geplant gewesen. Oftmals ist er einfach gezwungen selber zu laufen, wenn beispielsweise der Schutz der Offensive Line zusammenbricht oder einfach kein Receiver frei ist. Solche Läufe eines Quarterbacks – sogenannte “Scrambles” – sind stets spektakulär anzusehen.

Nur selten ist ein solcher sogenannter “Quarterback Keep” geplant, so zum Beispil in Situationen dicht vor der gegnerischen Endzone oder wenn nur noch wenige Yards zum Erreichen eines neuen First Downs zu überwinden sind.

Die Running Backs helfen dem Quarterback bei Variante 1.
Wenn sie den Ball von ihm durch einen Handoff (direkte Übergabe) oder Pitch (kurzer Wurf, meist aus dem Unterarm) erhalten, gibt es für sie nur eines: Vorwärts.
Dabei wird der Ball in der Armbeuge gesichert, während der freie Arm entweder zur zusätzlichen Sicherung des Balles oder zur Abwehr heranrauschender Verteidiger dient.

Running Backs können natürlich auch im Paßspiel eingesetzt werden, aber da sie vor dem Snap meistens noch hinter dem Quarterback stehen und somit circa 7 bis 10 Yards “Rückstand” auf die Wide Receiver haben, handelt es sich dabei oft nur um kurze Pässe.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Laufrouten, und zwar den Lauf über die Außenseite der Formation (“Sweep”) und den Lauf direkt durch die Mitte (“Dive”).

Ebenso unterscheidet man zwei Spielertypen von Running Backs, nämlich die Half- oder Tailbacks und die Fullbacks.
Während die Halfbacks die meist kleineren und flinkeren Spieler sind, die überwiegend für Sweeps eingesetzt werden, sind die Fullbacks eher kräftig und bullig. Oft dienen sie nur als Vorblocker für die Halfbacks, und wenn sie einmal selber den Ball bekommen, müssen sie größtenteils die “harten Yards” durch die Mitte machen.

Die Receiver schließlich stehen an den Außenseiten der Angriffsformation und sind meist die schnellsten Spieler der Offense.
Die Spieler auf dieser ursprünlich einmal “End” oder “Split End” genannten Position müsseen blitzschnell, wendig und geschmeidig sein und sich günstigstenfalls blind mit dem Quarterback verstehen. Ihre Aufgabe ist es nämlich, den Ball – meistens in vollem Lauf – zu fangen und somit großen Raumgewinn zu erzielen.

Dazu laufen sie auf vorher festgelegten Paßrouten, wo sie mit ihrer Geschwindigkeit und durch Körpertäuschungen die Verteidiger abzuschütteln versuchen.

Bei Laufspielzügen sind die Receiver für das Blocken tief in der Spielfeldhälfte des Gegners zuständig. Nicht nur deshalb müssen auch sie einiges einstecken können – oft sind sie in der Situation, sich komplett auf den Ball konzentrieren zu müssen und können sich daher nicht auf den bevorstehenden Kontakt mit dem Paßverteidiger einstellen.

defense Aufgabe der Defense ist es, die gegnerische Offense am Raumgewinn zu hindern und die eigene Endzone zu verteidigen.
Wie die Offense, so besteht auch die Defense aus verschiedenen Spezialisten, die sich zur Erreichung des Ziels die Arbeit teilen

Die Defensive Line spielt direkt gegen die Offensive Line. Sie besteht in dem angezeigten Beispiel – von innen nach außen – aus zwei Defensive Tackles und zwei Defensive Ends. Die Defensive Line ist die erste Bastion der Verteidigung, die vornehmlich gegen das Laufspiel verteidigt, aber durch Druck auf den Quarterback auch das Paßspiel im Ansatz verhindern soll.

Die Defensive Tackles decken den Raum in der Mitte. Ihre Hauptaufgabe ist es, das Laufspiel des Gegners zu unterbinden. Sie müssen aber auch – bei Paßspielzügen – Druck auf den Quarterback ausüben, um ihn zum übereilten Wurf zu zwingen oder aus der Pocket (dem Schutz der Offensive Line) zu locken, damit er von den Defensive Ends gestellt werden kann.
Je nach Formation der Defense kann die Anzahl der auf dieser Position eingesetzten Spieler variieren. Steht nur ein einziger Defensive Tackle in der Line, so befindet er sich meistens direkt gegenüber des Centers und trägt daher auch die Bezeichnung Nose Tackle.

Die Defensive Ends sind meistens die größten Spieler der Defense. Je nach Spielzugauswahl der Offense kommen ihnen verschiedene Aufgaben zu: Beim Laufspiel müssen die Ends die Offensive Tackles “ausschalten” und den Ballträger stoppen – oder ihn zumindest so lange zu beschäftigen, bis die Linebacker zur Hilfe kommen.
Beim Paßspiel müssen die Defensive Ends versuchen, an den Offensive Tackles vorbeizugelangen, um das Paßspiel dort zu stoppen, wo es entsteht: Direkt beim Quarterback. So verwundert es nicht, dass es zumeist Defensive Ends sind, die in den “Quarterback Sack-Ranglisten” die oberen Ränge belegen.
Die Linebacker sind die Allrounder der Defense. Ihr Aufgabengebiet umfaßt sowohl das Stoppen von Balträgern als auch das Verteidigen gegen Pässe.

Dabei hängt das Verteidigungssystem der Defense von der Art ab, wie ein Linebacker Paßverteidigung betreibt. Spielt die Defense eine Zonenverteidigung, ist der Linebacker nur für einen bestimmten Feldbereich zuständig, wird Manndeckung gespielt kann es sein, dass der Linebacker für einen bestimmten Spieler der Offense verantwortlich ist. Meistens wird dann allerdings ein Cornerback für die schnelleren Receiver zuständig sein.

Linebacker müssen schnell sein und flexibel reagieren können. Sie gelten oft als die Regisseure der Defense, wobei diese Rolle in einer Aufstellung mit drei Linebackern – wie oben abgebildet – oft dem Middle Linebacker zukommt.

Wie bereits erwähnt, kann je nach Verteidigungsstrategie die Zahl der eingesetzten Defensive Line-Spieler und Linebacker variieren. Spielt man mit vier Linespielern und drei Linebackern (siehe Abbildung), so spricht man von einer 4-3-Defense. Es ist aber auch möglich, mit nur drei Linespielern und dafür vier Linebackern zu spielen. Solche 3-4-Defense verteidigen eher gegen das Paßspiel und geben mehr Raum für kurze Läufe der Offense frei.

Der Rückraum der Verteidigung – Defensive Backfield oder auch Secondary genannt – ist schwerpunktmäßig für die Verteidigung gegen Pässe zuständig.

Cornerbacks tragen eine große Verantwortung, denn sie sind die direkten Gegenspieler der Wide Receiver. Je nach Spielsystem der Defense verteidigen sie entweder eine bestimmte Zone (oft der Fall bei langsameren Cornerbacks) oder spielen direkte Manndeckung gegen die Receiver.
Sie müssen die Receiver – soweit es das Regelwerk erlaubt – beim Paßfang stören oder sogar – im Optimalfall – den Ball abfangen, was zu einem Wechsel des Angriffsrechts führt.

Cornerbacks sind klein und flink, um mit den Receivern nicht nur mitzuhalten, sondern ihnen sogar voraus zu sein. Ein wenig Kraft schadet nicht, denn im Notfall muß ein Cornerback auch einen durchgebrochenen Running Back stoppen können.

Die wichtigste Waffe eines Cornerbacks ist die Erfahrung – fallen sie auf eine Körpertäuschung des Receivers herein, folgt zumeist postwendend der Touchdown.

Die letzte Bastion zwischen Angriffen der Offense und dem Touchdown bilden die Safeties. Sie decken die tiefen Zonen dicht an der eigenen Endzone ab.

Safeties sind genau wie die Linebacker Allroundtalente, denn sie müssen sowohl Luftangriff als auch die Bodenattacke stoppen können. Der Strong Safety wird auf der Spielfeldseite des Tight Ends eingesetzt und ist oft sein direkter Gegenspieler. Der Free Safety hilft bei der Paßverteidigung und ist oftmals die Schlüsselfigur bei einem Blitz (schneller Angriff auf den Quarterback).
Neben Offense und Defense hat jedes Team noch einige Spezialisten in den sogenannten Special Teams, die nur in bestimmte Spielsituationen aufs Feld kommen.

Der Kicker – eigentlich Place Kicker – ist zuständig für Kickoffs, Field Goal- und PAT-Versuche. Er kickt den Ball dazu vom Boden aus.

Der Holder ist der engste Mitarbeiter des Kickers, denn er empfängt bei Field Goal- und Zusatzpunkt-Versuchen den Snap und positioniert den Ball für den Kicker. Obwohl dieser Job nur aus wenigen Bewegungen besteht, ist er sehr wichtig: Wird der Ball nämlich nicht hundertprozentig richtig gehalten, kann der Schuß sofort daneben gehen.
Im deutschen Football werden oftmals Backup (=Ersatz)-Quarterbacks als Holder eingesetzt, was natürlich die Gefahr eines Trickspielzuges erhöht. Im Profi-Football hält oft der Punter als Holder her.

Der Punter ist der im eigenen Team wohl unbeliebteste Spieler, denn er kommt nur auf das Feld, wenn sein Team keinen neuen First Down erreichen kann. Er empfängt den Ball direkt vom Center, läßt ihn dann fallen und “latscht” dagegen, bevor der Ball den Boden erreicht hat, um ihn so möglichst weit in die gegnerische Spieldfeldhälfte zu befördern.

Der Kick- und Punt-Returner ist sozusagen der Gegenspieler des Kickers (beim Kickoff) bzw. des Punters.
Seine Aufgabe ist es, den Ball zu fangen und ihn so weit wie möglich zum Gegner zurückzutragen. Dort, wo er gestoppt wird, kommt sein Team in Ballbesitz.
Ein Returner muß schnell und besonders wendig sein, aber auch so einiges einstecken können, denn oftmals wird er Im “Gang Tackling” gestoppt – soll heißen, dass bis zu elf Gegenspieler auf ihn hereinprasseln, wobei die ersten Kontakte im vollen Lauf aller beteiligten Spieler zustande kommen.

Wie die Beschreibung der einzelnen Spielerpositionen zeigt ist American Football ein absoluter Teamsport, bei dem Arbeitsteilung angesagt ist. Obwohl nur wenige Spieler im Rampenlicht stehen – meist sind dies Quarterbacks, Running Backs und Receiver – gibt es doch in Wirklichkeit keine unwichtigen Spieler.

Moin!

Dies ist der Blog von Marco Pagel, auf dem in unregelmässigen Abständen zu Fotos, Erlebnissen oder Dingen der Weltgeschichte etwas geschrieben wird. Wer nur Fotos gucken will, ist auf der Website mp-foto.net besser aufgehoben.

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