Das Knipsen

Eigentlich habe ich schon immer gerne Fotos gemacht, seit ich zum ersten Mal die – damals noch monströse – Sofortbildkamera meines Großvaters in der Hand hatte. Aber als ich dann meine erste eigene Kamera bekam, war die Begeisterung schnell wieder verflogen.

Aber von vorne:

Geknipst habe ich wie erwähnt eigentlich schon immer gerne. Aber bis ich mich am 15. Februar 2004 bei der fotocommunity als Benutzer angemeldet habe, war mein Verhältnis zur Fotografie am ehesten als “kaum vorhanden” einzustufen. Zwar habe ich schon seit meiner Kindheit diverse Kameras besessen, mich jedoch nie eingehend über den Status eines Schnappschuß-Knipsers hinaus bewegt.

Nachdem ich den ersten Kontakt mit der Fotografie in Form der uralten Sofortbildkamera meines Großvaters hatte – es muss eine Polaroid 350 oder SX70 gewesen sein, ganz sicher bin ich mir da nicht – war mein erster eigener Fotoapparat eine Agfamatic Pocket 2000. Diese Kamera wollte ich auf alle Ausfahrten mit der Schulklasse oder dem Jugendrotkreuz mitnehmen, aber irgendwie wollte der durch Opa’s Sofortbildkamera gelegte Funke sich nicht zu einem echten Feuer entfachen.

Rückblickend lag das daran, dass ich nicht sofort das von mir geschossene Foto betrachten konnte – ein Problem, dass mich bis zur “Entdeckung” der Digitalfotografie durch meine Foto-”Laufbahn” begleiten sollte.

Als die Agfa auf einem Ausflug in Kiel der Schwerkraft zum Opfer fiel, folgte ihr bei nächster “Schenkungs-Gelegenheit” eine Kodak Disc 3600, die Anfang der 80iger das Kleinbild-Format verdrängen sollte und dementsprechend in der Werbung gepusht wurde.

Auch mit dieser – ehrlich gesagt fürchterlich unpraktischen – Kamera sollte sich meine Problematik naturgemäß nicht ändern, so dass meine Erfolge weiterhin bescheiden blieben und auch die rechte Begeisterung sich nicht einstellen wollte.

Nach einer längeren Pause stolperte ich – ungefähr gegen Ende meiner Schulzeit – über eine Zeitungsbeilage, in der ein großes Kaufhaus eine Yashica Zoomate 105 bewarb.

Alleine des Zoombereichs wegen erwachte wieder ein wenig Interesse bei mir, so dass ich schnell Besitzer dieser Kamera wurde – die jedoch kurz darauf auch ein Dasein als Staubfänger fristen sollte. Mir war einerseits der Zoombereich dann doch zu kurz und andererseits der Film zu lang – soll heissen: Wenn ich ihn endlich einmal zum Entwickeln brachte, waren die ersten Bilder darauf meist schon sehr alt und entweder nicht mehr zu gebrauchen oder einfach nicht mehr von Interesse.

Es folgte naturgemäß wieder eine längere Pause, bis dann Feinkost Albrecht (da wo’s ALDI feinen Sachen gibt) eine Digitalkamera im Angebot hatte – die HP Photosmart C215.

Ich muß zugeben, dass ich bei meinem Kauf gar nicht einmal an meine weiter oben beschriebenen Probleme mit der Zeitspanne zwischen Aufnahme und Verfügbarkeit der Bilder dachte, sondern eher ein wenig dem beginnenden (aber noch in den Kinderschuhen steckenden) “Digicam-Hype” erlag.

Wie dem auch sei: Ich besaß nun meine erste DigiCam und habe einen Sommer lang geknipst, was das Zeug hielt. Da ich nun einerseits sofort meine Werke auf dem Display der Cam sehen und andererseits die Resultate per Bildbearbeitungs-Software auf dem Laptop noch “retten” konnte, war ich nun immer öfter mit der Cam unterwegs.

Wer allerdings die technischen Merkmale der alten C215 kennt, wird sich nicht weiter wundern, dass der Reiz des Fotografierens mich immer noch nicht so richtig gepackt hatte.

Ungefähr ein Jahr später legte ich mir aus dem Angebot des gleichen Discounters eine Medion MD9700 zu, die einen dreifach-Zoom und 4,1 Megapixel vorweisen konnte – was mich damals noch sehr beeindruckte.

Die Medion verdrängte natürlich schnell ihren Vorläufer und begleitete mich den folgenden Sommer und auch auf anderen Ausflügen, und die Zahl der gemachten Fotos war im Vergleich zur ersten DigiCam schon deutlich gestiegen.

Der langen Einschaltverzögerung wegen und weil die Kamera die Fotos je nach Lichteinfall blau oder grün einfärbte, war ich aber immer noch nicht wirklich Feuer und Flamme.

Das Fieber begann mich erst zu packen, als ich mir im September 2003 – kurz vor einem einwöchigen Urlaub an der Mosel – die Olympus C-750 UZ zulegte.

Zehnfach-Zoom – das alleine war für einen Bewegungsallergiker wie mich schon ein Argument, zumal ich im Urlaub ja sicher öfters mit der Situation konfrontiert sein würde, nicht dicht genug an das gewünschte Motiv herankommen zu können.

Die Oly war mit diversen Belichtungsprogrammen ausgestattet, von denen ich dann im Urlaub und auch anschließend ausgiebig Gebrauch machte.

Schnell begann ich mich aber auch für die manuellen Einstellungmöglichkeiten zu interessieren, und weil ich als Anfänger damit hoffnungslos überfordert war, stieß ich irgendwann auf die fotocommunity.

Durch die dort erhaltene Hilfe bin ich irgendwann dahintergekommen, der Oly auch im Modus “M”, also mit manuellen Einstellungen brauchbare Bilder zu entlocken, und nun hatte mich die Begeisterung für die Fotografie vollauf gepackt.

So kam es, dass ich mich bald dabei ertappte, auf Knien durch den Garten zu kriechen, um Bienchen und Blümchen abzulichten…

Und so nach und nach – sowohl durch die Hilfe der in der fotocommunity gefundenen Buddies als auch beim Betrachten der Fotos anderer Mitglieder – kam ich dahinter, dass Fotografie eben doch mehr ist als nur “Draufhalten und Abdrücken”.

War beispielsweise “Goldener Schnitt” als wichtiges Gestaltungsmittel für mich anfangs Fremdwort und als unkreativ machend empfundener Zwang, so habe ich ihn mir mittlerweile langsam als wichtiges gestalterisches Mittel angenommen.

Am 20. August 2004 habe ich dann nochmals “aufgerüstet” und mir in Form der Nikon D70 samt Kit-Objektiv 18-70mm eine Digitale Spiegelreflex-Kamera (DSLR) aus dem Einsteiger-Segment zugelegt.

Dies nicht, weil ich etwa dem Irrglauben unterliegen würde, dass teurere Kameras automatisch bessere Fotos machen, sondern einfach weil mir der Autofokus der Olympus zu langsam war und ich mir ein ausbaufähiges System wünschte.

Zwar sind Objektive recht teuer, aber ich bin eher bereit hier mehr Geld zu investieren bevor ich mir jedes Jahr eine neue Kompaktkamera zulege, an die ich mich dann erst einmal neu gewöhnen muß.

Für die D70 war ich nach den ersten Testschüssen gleich Feuer und Flamme, so dass die Oly nun ihr Dasein als “Dabei-wenn-nicht-ausdrücklich-zum-Fotografieren-losgezogen”-Kamera fristen sollte, bis sie Anfang 2006 unsanft der Gravitation zum Opfer fiel.

Ende 2007 wurde die D70 durch eine Nikon D200 abgelöst (die Anfang Herbst 2009 wiederrum durch die Nikon D300s ersetzt wurde) und das Standardobjektiv hat ein paar Gesellen bekommen. Das Feuer lodert mal mehr, mal weniger - ich muß und will noch viel lernen und freue mich daher immer über Anregungen und Kritik zu meinen Fotos.

Meine Lieblings-Motive sind  ganz klar Architektur (vornehmlich nachts und in Hamburg) sowie Landschaft und touristische Attraktionen – sogenannte “Pflichtmotive” die ich aber stets aus unverbrauchten Perspektiven abzulichten versuche. Zudem habe ich ab Sommer 2006 meine Liebe zum American Football wiederentdeckt und betätige mich ab und an dort an den Sidelines, um die eine oder andere Spielszene festzuhalten.

Versuche auf anderen Gebieten der Fotografie sollen folgen.

Ich will nicht den Eindruck erwecken, nur ein “Schnappschiesser” zu sein oder sein zu wollen; nach wie vor aber sehe ich mich ausdrücklich als Gelegenheitsknipser, denn ich knipse wann ich will und was ich will – und lasse mich nicht von etwaigen selbstauferlegten Zwängen unter Druck setzen.

Dabei geniesse das Privileg, einfach nur zum Spass fotografieren zu dürfen – und nicht mein Geld damit verdienen zu müssen.

Moin!

Dies ist der Blog von Marco Pagel, auf dem in unregelmässigen Abständen zu Fotos, Erlebnissen oder Dingen der Weltgeschichte etwas geschrieben wird. Wer nur Fotos gucken will, ist auf der Website mp-foto.net besser aufgehoben.

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